LBV-Kreisgruppe Weißenburg-Gunzenhausen

Der Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen bietet eine hohe Vielfalt an Naturräumen, von den Flusstälern über die Hänge des Albanstiegs bis zu den Hochflächen. Eng verbunden damit ist die große Zahl an verschiedenen Natur- und Kulturlandschaften mit ihrem vielfältigen Arteninventar. Wir schützen, erhalten und fördern die regional typischen Lebensräume und die heimische Flora und Fauna mit den Ziel der Sicherung einer umfassenden Artenvielfalt. Mit Sachverstand und Augenmaß wollen wir den Naturschutz lokal voran bringen und dadurch ein Mit- und Nebeneinander von Mensch und Natur fördern.

Stellungnahme des LBV zum Thema Center Parc - Muna:

Planungen für einen Center Parc am Brombachsee

 

Stellungnahme des LBV – Stand 20.5.2021

 

Seit einigen Monaten bestimmt der mögliche Bau einer Feriensiedlung am Brombachsee auf dem ehemaligen MUNA-Gelände bei Langlau durch die niederländische Firma Center Parcs die öffentliche Diskussion in der Region. Der LBV wurde seitdem von verschiedenen Seiten aufgefordert, zu dem Projekt Stellung zu beziehen.

 

Als unabhängiger Naturschutzfachverband äußern wir uns seit jeher aber nur auf der Basis von Fakten. Wir analysieren erst die Daten und Pläne, bevor wir uns abschließend äußern. Grundsätzlich steht der LBV allerdings derartigen Projekten, die allein aufgrund ihrer Größe potenziell problematisch für die Natur sein könnten, sehr skeptisch gegenüber. Die Planung für eine Ferienparksiedlung der geplanten Größenordnung entspricht nicht den Vorstellungen des LBV eines nachhaltigen und naturnahen Tourismus.

 

Leider liegen für den geplanten Center Parc bisher öffentlich nur unvollständige Zwischenberichte über die Erhebungen auf dem betroffenen Gelände vor. Es gibt aber weder öffentlich zugängliche Pläne der Betreiberfirma über das Bauvorhaben, auf deren Basis man die möglichen Auswirkungen auf betroffene Arten und Lebensräume und daraus resultierende Ausgleichserfordernisse abschließend bewerten könnte, noch verfügbare Planungen für ggf. erforderliche zu- und abführende Infrastruktur, die weitere Eingriffe in den Naturhaushalt bedeuten würden.
Es fehlen detaillierte Pläne zur Feriensiedlung mit begleitender Infrastruktur (Parkplätze, Verkehrsanbindung, Gebäude u.a. für Technik, Sport und Gastronomie) sowie deren Auswirkungen auf Flora und Fauna und Besucherlenkungsmaßnahmen. Bislang stehen auch noch sämtliche Untersuchungsergebnisse zu den Artengruppen Falter und Heuschrecken aus. Außerdem gibt es noch keine Darstellung, wie die Eingriffe im Hinblick auf Lebensraumtypen und Arten ausgeglichen und insbesondere Verluste von Quartieren und Jagdlebensräumen der störungsempfindlichen Fledermaus- und Vogelarten während Bauphase und Betrieb durch geeignete Maßnahmen kompensiert werden sollen.

 

Fachliche Leitlinien des LBV:

 

Auf Basis der ersten vorgelegten Zwischenberichte gibt es auf dem betroffenen Gelände eine Vielzahl von aus naturschutzfachlicher Sicht bedeutsamen Art-Vorkommen und Habitaten, deren Standorte es in jedem Fall vor Zerstörung und Beeinträchtigungen wie Störungen zu sichern gilt. Diese flächig auf dem Gelände vorhandenen und kleinräumig verteilten Erhaltungsziele sind insbesondere:

  • Biotopkartierte Flächen
  • Flächen mit FFH-Lebensraumtypen Trockene Europäische Heiden (4030), Magere Flachland-Mähwiesen (6510), Hainsimsen-Buchenwald (9110), Waldmeister-Buchenwald (9130), Eichen-Hainbuchenwald (9160),
  • Sonstige Laubwaldbestände
  • Charakteristische Einzelbäume
  • Amphibienlaichgewässer und andere Lebensstätten gefährdeter Tier- und Pflanzenarten (ausgenommen z.B. mit Asbest belastete Gebäude)

Das vorläufige faunistische Gutachten stellt fest:

 

Gemäß den bereits vorliegenden Untersuchungsergebnissen erlangen größere Teilflächen des MUNA-Geländes eine überregionale und landesweite Bedeutung. Zudem grenzen teilweise sehr hoch bedeutsame Flächen an das ehemalige MUNA-Areal an, die bezüglich möglicher Randwirkungen (insbesondere Licht, akustische und sonstige optische Störungen) zu berücksichtigen sind.

 

Laut Gutachten ist artenschutzrechtlich (zahlreiche betroffene europäische Vogelarten sowie streng geschützte Arten des Anhangs IV der FFH-Richtlinie, hier bei Fledermäusen, Amphibien und Reptilien) und naturschutzfachlich die Planung eines Center Parcs in dem Gelände auf Teilflächen mit einem sehr hohen Konfliktpotenzial verbunden.

 

Zur gebotenen Lösung dieser Konflikte ist einerseits eine räumliche Differenzierung der Erschließung und späteren Nutzung zwingend erforderlich, die auch die Erhaltung und Verbesserung von Teilen des Gebiets für den Arten- und Biotopschutz unter Ausschluss einer dortigen Erschließung und Freizeitnutzung beinhalten muss. Andererseits sind in größerem Umfang vorgezogene Maßnahmen und Vorgaben für eine zeitliche Erschließung des Gebiets einschließlich bauvorbereitender Maßnahmen erforderlich und im Weiteren zu detaillieren.

 

Fazit:

 

Der für den LBV relevante Aspekt Arten- und Biotopschutz ist hier in besonderem Maße berührt. Aus den bisher veröffentlichten Unterlagen geht hervor, dass es auf dem MUNA-Gelände kleinteilig verbreitet eine Vielzahl von landesweit bedeutsamen Vorkommen von Biotopen und Arten gibt. Es ist nicht erkennbar, wie diese angesichts des erwartbaren Umfangs der direkten und indirekten Eingriffe des insbesondere bei Beräumung, Abriss, Bebauung und im Anschluss durch Freizeitnutzungen vor Beeinträchtigungen geschützt bzw. die Eingriffe kompensiert werden sollen. Daher lehnt der LBV mit Blick auf den Bürgerentscheid am 30. Mai in Pfofeld und auf Basis des jetzigen Informationsstandes das Vorhaben ab. 

Der LBV-Podcast: Ausgeflogen

Der LBV hat seit kurzem einen eigenen Podcast: 

Der LBV-Podcast „Ausgeflogen“ soll die Held*innen des Naturschutzes in Bayern zu Wort kommen lassen, die sonst eher hinter den Kulissen tätig sind.

Gemeinsam sind wir unterwegs im ältesten Naturschutzverband Bayerns und treffen in jeder Folge neue Menschen, die sich für eine vielfältige Natur und den Schutz bedrohter Arten einsetzen. Diese Menschen kommen aus den verschiedensten Bereichen: Artenschutz, Umweltbildung und Biotopschutz. Den Anfang durfte unser Jugendbeauftragter Sebastian Amler machen.

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